Irren ist menschlich        > Cicero <                                       

 

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Einst eine Erscheinung bei gesellschaftlichen Randgruppen, erleben Tätowierungen seit mehreren Jahren einen Boom sondergleichen. Trotz des derzeitigen Tattoo-Trends, der durch viele Musikstars und Sportler begünstigt wurde, dürfen Tattoos nicht als Modeerscheinung betrachtet werden. Eine Tätowierung ist kein Kleidungsstück, das man je nach Belieben an- und ausziehen kann. Es wird einen das ganze Leben begleiten.

Die Schnelllebigkeit unserer Moden und Trends erklärt, warum so genannte Bio-Tattoos sich momentan einer so großen Beliebtheit erfreuen: Ein dauerhaftes Tattoo ist nicht jedermanns Sache. Mit einem temporären Tattoo soll man sich nach wenigen Jahren erneut mit einem anderen Bild schmücken können. Die Medien sind voll von Werbungen in Sachen "Bio-Tattoos"  oder "Permanent-Tattoos" und ähnlichen Beschreibungen für ein Produkt, das es nicht gibt.

Bezeichnungen wie "Bio-Tattoo" oder "Permanent-Tattoo" meinen immer das gleiche: Tattoos die nach einer gewissen Zeit wieder von selbst verblassen und schließlich ganz verschwinden. Meistens wird damit geworben, das solche "Tätowierungen" nach 2-5 Jahren wieder verschwinden. Dazu soll die Farbe nur in die Oberschicht der Haut eingebracht werden. Die Behauptung, dass Bio-Tattoos sich in dieser Zeitspanne wieder auflösen, kann von den Fachleuten in keiner Weise bestätigt werden.

Die menschliche Haut besteht aus drei Schichten: der äußeren Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Dermis oder auch Cutis genannt) und der Unterhaut (Subkutis). Je nach Körperstelle ist die Oberhaut unterschiedlich dick (0,04-1,5mm) und weist unterschiedliche Eigenschaften auf. Diese Zellschicht unterliegt einer ständigen Regeneration, ein kompletter Erneuerungszyklus dauert ca. 28 Tage. Die mittlere, deutlich dickere, Lederhaut erneuert sich nicht ständig, sodass Farbpigmente, die in den dort ansässigen Papillarkörper eingekapselt werden können, nicht abgestoßen werden. Die Unterhaut ist reich an Blutgefäßen und spielt für das Tätowieren nur insofern eine Rolle, als es vermieden werden sollte, in diese hineinzustechen.

Würde also ein Bio-Tattoo nur oberflächlich in die Oberhaut gestochen werden und im Laufe des normalen Hauterneuerungsprozesses die Farbe wieder abstoßen, bzw. abgebaut werden, so bestünde es lediglich ca. 28 Tage. Darüber hinaus ist ein gleichmäßiges Einbringen von Pigmenten in der selben Tiefe der Haut äußerst fragwürdig. Das Resultat eines Bio-Tattoos sieht unter Umständen dann so aus, dass die Pigmente teilweise innerhalb von vier Wochen, teilweise nie abgestoßen werden, sodass die Linien des Bildes meist relativ früh lückenhaft und die Farbe matt und blass aussehen.

Auch auf eine Leseranfrage im TEST Heft Nr.11 November 1998 der Stiftung Warentest antwortete man eindeutig: "Auch Hautärzte glauben nicht an vergängliche Tattoos.... . Wenn man den Aufbau der Haut betrachtet, ist es in der Tat schwer vorstellbar, dass ein so genanntes Bio-Tattoo nach einigen Jahren spurlos verschwunden ist. Würde die Farbe - wie von Anbietern versprochen - nur in die äußerste Hautschicht eingearbeitet, würde sie im Zuge der Hautregeneration schon im Laufe von vier Wochen verschwinden. Abgesehen davon, dass eine längere Haltbarkeit angestrebt wird, halten es Fachleute für fast unmöglich, dass beim Einbringen des Tattoos immer nur dieselbe ungleichmäßige, sehr schmale äußerste Hautschicht getroffen wird. Wird also - was kaum vermeidbar ist - tiefer gestochen, hält die hier eingebrachte Farbe so gut wie bei klassischen Tätowierungen, nämlich ewig. Sie verblasst höchstens mit der Zeit. Entfernen lassen sich diese Tattoos dann nur noch kosten- und zeitaufwendig mit dem Laser. Das einzige sicher vergängliche Tattoo ist das Abziehbild.... . soweit der Originalton der STIFTUNG WARENTEST - Redaktion.